Wer in Bad Urach einen Ausflug mit Geschichte, Aussicht und etwas Bewegung verbinden möchte, findet auf dem Schlossberg ein besonders eindrucksvolles Ziel. Die Burgruine Hohenurach erzählt von mittelalterlicher Herrschaft, württembergischer Militärgeschichte und einem langen Niedergang. Ich zeige, was den Besuch ausmacht, wie der Aufstieg gelingt, worauf Familien achten sollten und welche Ausflugsziele sich sinnvoll verbinden lassen.
Die wichtigsten Fakten für den Besuch auf einen Blick
- Freier Zugang: Die Ruine ist grundsätzlich kostenlos und nur zu Fuß erreichbar.
- Lage: Sie steht auf dem 692 Meter hohen Schlossberg oberhalb von Bad Urach.
- Geschichte: Die erste Burg entstand vermutlich um 1091 und wurde später zur Landesfestung ausgebaut.
- Wanderung: Der Hohenurachsteig ist 7,5 Kilometer lang und überwindet 487 Höhenmeter.
- Stand 2026: Wegen Sanierungsarbeiten können Teile der Anlage und Zuwege zeitweise gesperrt sein.

Warum die Burgruine Hohenurach so besonders ist
Die Anlage liegt rund 250 Meter über dem Ermstal und wirkt schon aus der Ferne mächtig. Von den Mauern reicht der Blick über Bad Urach, die bewaldeten Hänge der Schwäbischen Alb und bei guter Sicht weit in die Landschaft hinein. Für mich ist genau diese Verbindung aus Aussicht und Geschichte der größte Reiz des Ortes.
Hohenurach ist keine vollständig erhaltene Burg mit möblierten Innenräumen und Gastronomie. Besucher erleben vielmehr gewaltige Mauern, Toranlagen, Gewölbereste und verwinkelte Bereiche, die sich langsam beim Rundgang erschließen. Das macht den Ort für Kinder oft spannender als ein klassisches Museum, verlangt aber auch Aufmerksamkeit, weil der Untergrund uneben sein kann.
Von der Grafenburg zur württembergischen Festung
Historiker gehen davon aus, dass die Grafen von Urach die erste Burg an dieser Stelle um 1091 errichten ließen. Urkundlich erwähnt wurde die Anlage erstmals 1235. Um 1264 gelangte sie zusammen mit Stadt und Herrschaft an die Grafen von Württemberg, die den strategischen Wert der Höhenlage erkannten.
Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Burg mehrfach modernisiert. Aus der Grafenburg entstand eine starke Landesfestung mit zeitgemäßer Artillerieabwehr. Nach schweren Zerstörungen im Schmalkaldischen Krieg ließ Herzog Christoph die Anlage ab 1551 wiederaufbauen.
Ihre Geschichte war nicht nur militärisch. Ab dem 16. Jahrhundert diente die Festung auch als Staatsgefängnis. Zu den bekannten Gefangenen gehörte der Tübinger Professor Nikodemus Frischlin, der 1590 bei einem Fluchtversuch ums Leben kam. Gerade solche biografischen Details machen die Ruine für mich greifbarer als eine reine Abfolge von Baujahren.
Nach einer langen Belagerung von 1634 bis 1635 verlor Hohenurach an Bedeutung. Herzog Carl Eugen ließ die Festung schließlich 1765 abbrechen. Erhalten blieb eine der markantesten Burgruinen Süddeutschlands, deren Größe noch heute erahnen lässt, welche Rolle sie einst spielte.
So gelingt der Aufstieg zur Ruine
Ein direkter Autozugang bis zur Burg existiert nicht. Das Fahrzeug bleibt im Tal oder an einem ausgewiesenen Wanderparkplatz, anschließend führt der Weg über Waldpfade und einen teils steilen Anstieg nach oben. Wer mit dem Zug anreist, kann den Bahnhof Bad Urach als Ausgangspunkt für den Hohenurachsteig nutzen.
| Variante | Geeignet für | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|
| Kurzer Aufstieg ab dem Parkplatz unterhalb des Burgbergs | Besucher mit wenig Zeit | Steil, festes Schuhwerk erforderlich |
| Hohenurachsteig ab Bad Urach | Geübte Wanderer und aktive Familien | 7,5 km, etwa 2,5 Stunden, 487 Höhenmeter |
| Kombination mit dem Uracher Wasserfall | Ganztägiger Familienausflug | Mehr Strecke und Höhenmeter einplanen |
Der offizielle Hohenurachsteig ist eine mittelschwere Rundwanderung. Die Strecke führt über naturnahe Pfade, Waldwege und aussichtsreiche Abschnitte an den Hanner Felsen. Ich würde für die komplette Runde mindestens einen halben Tag einplanen, besonders wenn Kinder dabei sind oder unterwegs Pausen eingelegt werden.
Nach Regen und im Winter können kalkhaltige Steine und Wurzeln rutschig werden. Gute Wanderschuhe sind deshalb keine Nebensache. Wanderstöcke helfen zusätzlich beim Abstieg, der oft mehr Kraft kostet als der eigentliche Aufstieg.
Was Familien vor dem Ausflug wissen sollten
Die Ruine ist ein schönes Familienziel, aber kein barrierearmer Spazierort. Kinderwagen, Rollstühle und unsicheres Schuhwerk passen nicht zu den steilen und unebenen Wegen. Für kleinere Kinder sollte eine erwachsene Begleitperson besonders an Mauerkanten, Treppen und schmalen Passagen aufmerksam bleiben.
Oben gibt es weder ein Restaurant noch eine verlässliche Einkehrmöglichkeit. Getränke, kleine Mahlzeiten und bei längeren Touren auch ausreichend Proviant gehören deshalb in den Rucksack. Eine kurze Pause mit Aussicht ist möglich, doch man sollte nicht mit einem großen Rastplatz direkt in der Festung rechnen.
Im Jahr 2026 laufen Sanierungsarbeiten an der Burgruine. Der größte Teil des Burghofs kann zugänglich sein, einzelne Bereiche bleiben jedoch gesperrt. Zusätzlich können Zuwege für Materialtransporte zeitweise geschlossen werden. Vor der Abfahrt prüfe ich deshalb die aktuellen Sicherheitshinweise der Stadt Bad Urach und plane bei Bedarf eine flexible Route ein.
Diese Ziele lassen sich gut verbinden
Die Ruine eignet sich selten als einziges Tagesziel. Besonders stimmig ist die Verbindung mit dem Uracher Wasserfall, der zu den bekanntesten Naturzielen der Region gehört. Eine Tour durch das Maisental verbindet Wasser, Wald und historische Mauern, verlangt aber je nach Route deutlich mehr Ausdauer.
Wer es ruhiger angehen möchte, teilt den Tag auf. Nach dem Aufstieg zur Festung bietet sich ein Besuch der historischen Altstadt von Bad Urach an. Fachwerkhäuser, Marktplatz und Residenzschloss ergänzen die mittelalterliche Geschichte der Höhenburg um das höfische Leben im Tal.
Im Sommer kann auch das Höhenfreibad interessant sein. Es liegt unterhalb der Ruine und bietet einen direkten Blick auf den Schlossberg. Für Familien ist das eine praktische Kombination, wenn nicht alle Beteiligten eine längere Wanderung unternehmen möchten.
Bei der Planung würde ich mich für eine von zwei Varianten entscheiden. Entweder steht die Wanderung im Mittelpunkt und alle nehmen sich Zeit für Aussicht und Ruine, oder die Burg wird als kurzer Höhepunkt in einen abwechslungsreichen Bad-Urach-Tag eingebaut. Der Versuch, mehrere lange Wege, Wasserfall, Altstadt und Schwimmbad in wenigen Stunden unterzubringen, führt dagegen schnell zu Stress.
Mein Fazit für einen gelungenen Besuch
Die Burgruine Hohenurach ist besonders dann lohnend, wenn man historische Orte nicht nur besichtigen, sondern sich zu ihnen hinaufarbeiten möchte. Der Weg, die Aussicht und die mächtigen Mauerreste gehören zusammen und ergeben ein Erlebnis, das deutlich stärker wirkt als ein kurzer Fotostopp.
Für Familien empfehle ich eine gute Vorbereitung mit festen Schuhen, Getränken und ausreichend Zeit. Wer die aktuellen Sperrungen berücksichtigt und die Wanderung an die eigene Kondition anpasst, bekommt oberhalb von Bad Urach ein kostenloses, eindrucksvolles Ausflugsziel, das Natur und Landesgeschichte überzeugend verbindet.
